Internationale Fachtagung in Albersdorf

In der Zeit vom 30.07.2009 bis 01.08.2009 fand in unserem Bürgerhaus und im Steinzeitdorf des Archäologisch - Ökologischen Zentrums Albersdorf (AÖZA) eine Internationale Fachtagung, mit dem Fokus auf Felsgesteingeräte - Fertigung, Funktion und Verbreitung, statt.
Es waren Teilnehmer aus den Niederlanden, Österreich und Deutschland zu begrüßen.

Auf Vorschlag von Herrn Helmut Windl, Wien wurde im Januar auf der Tagung unter der Bezeichnung "Keulentreffen" in Venlo, Niederlande; Albersdorf als neuer Austragungsort gewählt. Im nächsten Jahr treffen sich die internationalen Experten für "Felsgesteinartefakte" wahrscheinlich im Archäologischen Zentrum in Hitzacker an der Elbe.

Unter Leitung von Eric Biermann, Köln wurde die Tagung mit der Begrüßung durch Bürgermeister Peter Mucke eröffnet.

Volker Arnold (Museum für Archäologie und Ökologie Dithmarschen) hielt eine Einführung in die Entstehung der Landschaft in Dithmarschen und über die Geschichte in unserer Region. Anschließend ging es ins Museum für Archäologie und Ökologie Dithmarschen dort führte Volker Arnold durch die Ausstellungen.






Im Anschluß präsentierte Rengert Elburg, Dresden eine besondere Fundbergung aus einem Brunnen unter der neu zu errichtenden Landebahn des Leipziger Flugplatzes bei Schkeuditz-Altscherbitz, Landkreis Nordsachsen. Höhepunkt waren die Funde aus Bandkeramischer Zeit, eine besonders verzierte Keramik und ein vermeintlicher Dechsel mit "stumpfen" Winkel von denen erst 2 in der Archäologie bekannt sind. Die anderen Beiden sind ebenfalls Brunnenfunde.
Der Abend wurde in gemütlicher Runde im Gasthaus "Waldesruh" in Albersdorf mit Essen und weiterführenden Diskussionen und Fachgesprächen, verbracht.

Am Freitag übernahm Helmut Windl, Wien die Moderation der Vorträge. Als besonderer Gast in der Expertenrunde wurde Harm Paulsen aus Schleswig begrüßt. Er hat durch experimentelle Versuche bereits viele Lücken in den offenen Fragen zur Nutzung der Fundstücke der Archäologie schließen können.

Rüdiger Kelm stellte den Steinzeitpark und das Archäologisch-Ökologische Zentrum Albersdorf (AÖZA) vor und führte anschließend durch das Gelände im Steinzeitpark Albersdorf.








Hans-Otto Pollmann, Bielefeld referierte über die Nutzung regionaler Gesteinressourcen anhand zweier Beispiele aus dem Früh- und Jungneolithikum Ostwestphalens (Nordrhein-Westphalen)
Manfred Pfeifer, Neustadt/Holstein zeigte eindrucksvoll die Merkmale und Arbeitsschritte beim Hohlbohren in Felsgestein und machte deutlich, dass es sich eigentlich um ein "Schleifen" handelt. Der "Abrieb" des Gesteins wird durch Sand und Gesteinsmehl zwischen dem drehenden Holzstück und dem Felsgestein erreicht. Beeindruckend war seine empirische Erfahrung ein drei Zentimeter dickes Felsgestein in acht Stunden Arbeit bei einem Abrieb von 124 mm des gedrehten Holzes (Holunderrohr) zu erreichen.
Nach der Mittagspause brachte der Leiter der Tagung Eric Biermann, Köln mit einem Versuch einer regionalen und chronologischen Verbreitungsdifferenzierung von Scheibenkeulen in seinem Vortrag zum Ausdruck.
Britta Ramminger, Hamburg zeigte in ihrem Vortrag die Abnutzungs-, Fragmentierungs- und Überarbeitungsspuren, als Überlegung zur "Lebensdauer" bandkeramischer Dechselklingen, auf.








Birgit Gehlen, Kerpen/Rheinland (die eine sechsstündige Anreise mit erheblichen Staupotenzial hatte) referierte über Mittelneolithische Felsgesteingeräte aus dem Rheinland und deren Verbreitung und Häufigkeit in verschiedenen Siedlungen, so dass Sie auf eine eher Landwirtschaftliche bzw. Handwerker Siedlung schließen konnte.
Im Anschluss zeigte Eric Bierman, Köln auf, dass die sogenannten "Dellkeulen" und Geröllkeulen die evtl. als Halbfabrikate oder Fertigprodukte eingestuft werden; diese vielleicht als zwei verschiedene Artefaktgruppen angesprochen werden sollten.
Der letzte Vortrag am Freitag war von Erik Drenth, Amersfoort er stellte Geröllkeulen und Spitzhauen aus der Provinz Drenthe (Niederlande) und deren Verbreitung in den Niederlanden vor. Alle Vorträge waren von Fragen und Diskussionen begleitet.

Abends war wieder ein Treffen in der Gaststätte "Waldesruh" in Albersdorf und die Diskussionen gingen bis spät in die Nacht.
Der Samstag begann mit der schlechten Nachricht das zwei Vortragende aus persönlichen Gründen leider nicht rechtzeitig erscheinen konnten, so nutzte man die Gelegenheit und wiederholte den Vortrag von Rengert Elburg, Dresden. Er hielt den Vortrag leicht abgewandelt und ergänzt mit weiteren Bildern der Bergung noch einmal vor einem größeren Publikumskreis, es waren inzwischen einige Studenten der Hamburger Uni und einige Betreuer vom AÖZA im Auditorium erschienen.
Nicole Kegler-Graiewski, Kiel referierte dann über Streitaxttypen und deren Erscheinungsbild. Mit einer Digitalisierung versuchte Sie diese Typen in eine Erkennungsmatrix zu bringen. Dies belebte die anschließende Diskussion und lässt auf spätere Erweiterungen hoffen.


Zum Abschluss führte der Experimental Archäologe Manfred Pfeifer aus Neustadt/Holstein seine Erfahrungen im Steinzeitdorf eindrucksvoll vor. Mit welcher Technik kann man mit Steinzeitwerkzeugen am besten arbeiten. Seine Erfahrungen und Analysen geben einen Einblick in das Machbare unter Berücksichtigung der Zeit. Die Spuren der Herstellungsart lassen sich auf den Originalfunden der Vor- und Frühgeschichte nachweisen, das überzeugt auch einen Theoretiker.

Mehr über die Arbeit von Manfred Pfeifer aus Neustadt/Holstein auf seiner Homepage "Steinharteknochenarbeit"

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